Ladezonen in der Wüste.

apos „Hast du mal nachgeschaut wie teuer der Flug wäre?“, sagt die Stimme rechts von mir. Die Stimme links von mir schweigt. Meine Augen ruhen auf meiner Tasse Kaffee. Es ist Mittagszeit, doch der Himmel verkleidet sich dunkel und regnerisch, man könnte meinen, dass der Tag jetzt schon sein Ende nimmt.

Mein Blick schweift zur Stimme links von mir, die immer noch schweigt, meinen Blick jedoch auffängt und losmurmelt. Ich vernehme undeutliche Sätze und merke, dass die beiden Stimmen Blicke austauschen, die man nur austauscht, wenn man etwas bespricht, dass ein dritter möglichst nicht mitkriegen soll. Ich werde neugierig und frage worum es denn gehe.
„Wir wollen Silvester vielleicht in Irland verbringen.“, sagt wieder die rechte Stimme. Schweigen. „Hab ich dir das nicht letztens erzählt?“, fügt sie noch ganz beiläufig hinzu.

Nein. Mir wurde nichts dergleichen berichtet. Und die Blicke, die zwischen den Stimmen ausgetauscht wurden, bevor ich meine scheinbar unwichtige Frage eingeworfen habe, bestätigt das. Offensichtlich möchte die Stimme rechts von mir etwas grade rücken, merkt jedoch nicht, dass sie es nur schlimmer macht.
Die Freundschaft, die mich und die rechte Stimme mal verbunden hat ist mittlerweile zu einer Ladezone verkommen. Eine Ladezone mit soviel Sinn, wie die in einer Wüste.
fabrik

Wenn die rechte Stimme mir sagt, dass sie abends nochmal anruft, dann ist das gleichzusetzen mit der Frage „Wie geht’s dir so?“, die man einem Bekannten stellt, den man einmal die Woche zufällig an einer Bushaltestelle trifft. Es kommt natürlich kein Anruf, mir ist das bewusst und der Stimme rechts von mir auch.
Es ist eine leere alte und marode Fabrikhalle, in der man sich wohler fühlen würde, als mit jemanden Kaffee zu trinken, der keinerlei Interesse an meinem Leben zeigt, sich selbst mit Oberflächlichkeit abschottet und einen teilweise demütigt mit Aussagen wie: „Hab ich dir das nicht letztens erzählt?“

Es gab kein „letztens“. Und so wie es sich anfühlt wird es ein solches auch so bald nicht mehr geben. Und während ich die Enttäuschung darüber in der Wüste auf der Ladezone ablade, stellt sich mir die Frage, inwiefern die Freundschaft wirklich mal Bestand hatte. Die Stimme rechts von mir ist abwesend und war es in den letzten Monaten eigentlich immer. Zweimal habe ich versucht etwas in Bewegung zu setzen. Zweimal wurde mein Anliegen/Angebot registriert. Aber das war es auch schon.

Nichts hat sich geändert. Nur mein Denken darüber. Also spiel ich einfach mit, wenn weiter Luftschlösser gebaut werden, die für mich keinen Platz mehr haben. Dabei war ich doch einer der wenigen, die die rechte Stimme immer reflektiert haben.
Aber offensichtlich gefällt das manchen Leuten nicht. Vielleicht leben sie gut mit ihren Wüsten und ihren Ladezonen. Ich für meinen Teil lade da aber nur noch ab und verschwende keine Zeit mehr damit aufzuladen. Denn ich möchte nicht so oberflächlich und demütigend „Freunde“ behandeln, wie die Stimme rechts von mir.

Ich bezahle meinen Kaffee. Dann gehe ich. Es regnet immer noch.
Para (Gast) - 1. Okt, 21:50

und wieder so ein szenario, das ich viel zu gut kenne..

ich sitze dann immer in meinem kopf und denke "joa.. und jetzt? was hab ich falsch gemacht?!".. aber mit etwas abstand wird mir dann meist klar, das ich nichts falsch gemacht habe.. ich hab versucht zu "retten", aber es wurde mir verwährt..

am schlimmsten sind dann immer die leute die vorwerfen man hätte nichts getan.. und man hätte doch selbst einen teil der schuld zu tragen.. ich empfinde es dann als unfair.. auch wenn sie vielleicht ein fünkchen recht behalten.. meistens bin ich so beschäftigt damit krampfhaft etwas retten zu wollen, das ich die rettungsversuche der anderen seite ignoriere.. oder sie garnicht erst wahrnehme..

und was ich jetzt damit ausdrücken möchte, tja.. das weiß ich bisher selbst noch nicht so genau..

bleibt nur, zu hoffen das es dir gut geht.. und das der graue schleier über der welt sich verzogen hat..

hochachtungsvoll,

...

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