Alltag der Erkenntnis

Freitag, 26. Juni 2009

Chaosplanet.de

Die Subdomain wurde nun auf die Topleveldomain Chaosplanet.de umgestellt.

Auf diesem Blog hier bitte nicht mehr kommentieren.

Mittwoch, 26. September 2007

Der Zoll in der Haut.

apos Zurzeit herrscht eine Ich-weiß-nicht-so-recht-Einstellung. Ganz bizarr und ungewöhnlich für zwei standfeste Beine und einen Arsch, der sonst so sicher im Sattel saß. So scheint es vielen zu gehen, deren Emotionen geballt ihre Flugbahn verlassen, obwohl sie sich in einer Umlaufbahn befinden sollten, wie es der Mond tut.

Nun. Vermutlich ist das eingetreten, wovor ich mich immer gefürchtet habe: ich wurde mit einem Embargo der Zwischenmenschlichkeit belegt. Ich kann weder ex- noch importieren. Wenn unklare Strukturen in eine Welt einziehen, in der doch alles irgendwie chaotisch angeordnet war, dann irritiert das auf gleich mehrfache Weise. Da ist selbstverständlich kein Hang zur Depression. Das wäre jetzt das letzte, was jemand wie ich zulassen werde. Es gelingt mir nicht das Umdenken zu entwirren. Dabei war doch SIE immer der Schlüssel dafür. Dann trennt man sich von jemand, nach zwei Jahren der intensivsten Zeit. Zwei Jahre, in denen ich mich selber finden konnte. Sie war wie eine Sucht, wie eine Therapie, wie ein wahrgewordener Traum hat sie die Grenzen zwischen unreal und real in meinem Leben aufgeweicht. Dann wurde es zugig. Es wurde kälter. Es wurde ein bisschen dunkler. Es roch nach abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum einer Sache, der man immer die Resistenz von Honig zugesprochen hat.

Menschen werden Egomanen, wenn sie merken, dass sie sich in einer Umbruchphase befinden und mit jemand zusammen sind, der stetig und sicher geblieben ist. Dieser jemand kann zum Schluss nur lethargisch auf eine Sache blicken, die er nie und nimmer aufhalten konnte.
Normal ist so ein seltsames Wort.
Ist es normal, dass Frauen, die mit mir zusammenkommen nach zwei Jahren merken, wie sehr sie sich weiterentwickelt haben. Wegen mir? In den meisten Fällen heißt das, dass sie ein neues Selbstwertgefühl entwickeln, Selbstbewusstsein, das sie mit mir entwickelt haben. Ein Gefühl für sich selbst. Geendet hat dies in meinen letzten Beziehungen so:
Man hat sich so sehr weiterentwickelt, dass das Gefühl aufkam "Das bringt mir nichts mehr". Man nahm sich einen neuen Typen, betrog mich und zog mit einem Sack neuer Persönlichkeit weiter. Und mein Poststempel war drauf. Ich blieb zurück und versuchte mir Neurosen wieder abzugewöhnen und die Löcher zu stopfen, die diese Phänomene in meine Haut gerissen haben. Nun. Geschafft habe ich das immer. Aber mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, ob ich das nochmal zulassen möchte. Ich gehe mittlerweile in die dritte Runde solcher Gefahren. Und ich frage mich, ob es meinem Selbstwertgefühl gut tun würde, wenn ich wieder das Risiko eingehe.

Ich möchte an dieser Stelle den Typen, die mit meinen Ex-Freundinnen was angefangen haben folgendes mitteilen: Ich bin nicht das Nonplusultra. Ich bin nur eine vergessene Baustelle. Und die Bauzäune tragen folgende Schilder: "Freundin haftet für die Gefühle von Basti".
Eigenartigerweise ist genau das Gegenteil der Fall.
Vielleicht überfordere ich auch Frauen. Wer weiß. Einmal bin ich nicht mehr aufregend genug. Dann bin ich zu unselbstständig. Alles Dinge, die Hand und Fuß hatten, an denen ich in meiner kleinen Gedankenwerkstatt fleißig gearbeitet habe + die Kurzschlüsse, welche die Beziehungen mit sich getragen haben. Ich habe mir immer Mühe gegeben und habe für mein Alter schon zu viele Erfahrungen gemacht. Dieser Gedanke kam mir erst letztens, als über mir mehrere Kisten Pfand auf Arbeit zusammengebrochen sind.
Und jetzt? Keine Ahnung was jetzt war. Offensichtlich nichts, das in meiner Macht Dinge zu verhindern lag. Geduldig sollte ich sein.
Aber das war ich die letzten Jahre immer. Immer und immer wieder. So lange, dass mir mittlerweile schlecht davon wird. Das ist wie ein Videospiel. Man geht tot und muss wieder von vorne anfangen. Und weil man noch 97 Leben hat, wird das eine verdammt lange Party.

Ich meine worum geht es denn? Eine sehr weise Freundin von mir hat mir letztens den Ratschlag gegeben, ich solle mich mal fragen, was überhaupt meine Ziele in einer Beziehung sind, vielmehr was überhaupt ein Ziel sei. Eine Frage auf die ich keine Antwort weiß. Und wenn ich sie wüsste, dann würde ich sie wohl für mich behalten. Auch meine Schwester hat mich auf einen verdammt aufrüttelnden Trichter gebracht, indem sie mir gesagt hat, man ist erst dann unglücklich, wenn man weder mit bösem, noch mit gutem Ausgang einer Sache (zwischenmenschlicher Art) zufrieden ist. Erst dann sei man wirklich unglücklich. Sie hat Recht. Eine Sache mit der ich konform gehe und die mich nicht zufrieden macht.
Ist doch irgendwie skurril mit fast 23 Jahren schon zu denken, Beziehungen seien trivial und eine Endlosschleife an bösen Déjà-Vues. Nur in dieser Beziehung habe ich mich wirklich irgendwie immer so gut gefühlt. So verstanden.

Die Antwort meines nächsten Schachzugs scheint fast banal. Ist es möglich eine zu Bruch gegangene Beziehung wieder zu reparieren oder kocht man lediglich abgestandenes Wasser auf?
Geben und Nehmen oder Geben und Nehmen lassen?
Wo soll das enden? Hab ich wieder irgendetwas nicht bedacht? Vielleicht gibt’s mich gar nicht in gut. Zumindest hab ich das Gefühl meine bisherigen Beziehungen alle mit 3- bestanden zu haben.

Von mir wird so einiges erwartet. Und meine Ansprüche steigen immer weiter und mit jedem Meter, den ich mit Stolpern verbringe, wird mir eins in kollektive Unterbewusstsein eingedroschen: Mach zu.
Ich muss und werde mich jetzt ein letztes Mal um meine Beziehung kümmern. Und mein Gegenüber hat kein Spielraum mehr übrig. Bei "Wer wird Millionär" kann man drei nach verbrauchten Jokern auch nicht mehr hoffen, dass einem ein vierter gewährt wird. Die Spielregeln sind einfach anders.
Mir kommt es fast ungerecht vor, dass ich ihre Nähe so brauche und auch genieße. Aber wenn ich schon selbst keine Rücksicht auf mich nehme, warum sollten es auch andere tun. Noch bin ich kein Egomane. Ich bin nur ausgelaugt und lustlos mich für etwas aufzuopfern, dass mir möglicherweise das Genick brechen kann. Vielleicht sollte ich Zoll für jede Berührung kassieren, die meine Haut erreicht. Auch wenn es sich gut anfühlt. Dahinter kocht schon das Blut und schließt einen Vertrag mit der Angst über potentiell anstehende Reparationen.

So wie Alice in den Kaninchenbau fällt, so bin ich jetzt damit beschäftigt "Ja" zu sagen, aber "Jein" zu meinen. Und während ich auf hoher See mit meinem Kahn weiter rumtuckere, suche ich nach dem rettenden Anker, den ich über Bord schmeißen werde, sollten sich meine Ängste bewahrheiten. Dann wird einmal mehr die Konsequenz mein Handeln absaufen lassen.
Ist das fair? Nein. Aber was ich in letzter Zeit an Fairness zu spüren bekommen habe bedient sich der Logik der Chaostheorie.
Wie viel Zoll sollte ich kassieren, die einer möglichen Abfindung gleich kommen würde?
Bis ich das rausgefunden habe werde ich den Kurs halten. Für wie lange? Das liegt nicht allein an mir.

//abstrakt bleiben.

Dienstag, 26. Juni 2007

Schau genau hin, liebe Erinnerung.

apos Ich musste heute nach meinem Ästhetikreferat irgendwie an meinen Kumpel Peter denken. Peter hat sich vor ein paar Jahren das Leben genommen. Er war zu diesem Zeitpunkt der erste Mensch, der das in meinem Umfeld fertig brachte. Peter und ich verstanden uns echt gut. Zusammen mit meinem besten Kumpel und baldigen Ex-Mitbewohner Mexx (*schnief*) und Peter wurden die lustigsten Abende gestartet. Er hat ständig ein drauf gemacht, war immer guter Dinge und ihn konnte nie etwas erschüttern. Bis zu jenen Tag, als er einen Abschiedsbrief verfasste und sein Auto mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum setzte. Peter war Berichten zufolge sofort tot. Ich erfuhr noch am selben Tag von einem Bekannten was passiert war. Am nächsten Tag las ich es in der Zeitung. Mir hat es damals alles abgeschnürt.
Dann, im Januar 2004, nahm sich eine Freundin von einem sehr guten Freund von mir das Leben. Sie hieß Marie und ich mochte sie echt gern. Ich wusste sie hatte viele Probleme. Sie war so zynisch und doch irgendwie so lieb. Als sie sich damals aus ihrem Fenster schmiss, brach nicht nur für ihre Mutter eine Welt zusammen. Ihre Kindheit ging verloren durch ihren Vater. Sie wollte nie wirklich über ihre Probleme reden. Stattdessen dachte sie, dass sie sich nur anstrengen muss alles zu vergessen.
Menschen gehen manchmal einfach eigenartig mit ihren Problemen um. In beiden Fällen war ich traurig, sehr angespannt. Zu beiden Beerdigungen konnte ich damals nicht gehen. Ich konnte nicht auf ihre Gräber sehen. Ich war so wütend über diesen Egoismus. Wie kann man sich nur so aus dem Leben stehlen. Mir ist bis heute klar, dass die Gründe für deren Freitode sicher plausibel waren. Zumindest für die beiden. Wütend bin ich darüber, dass sie mit niemanden über ihre Probleme geredet haben.
Man unterschätzt dieses Gefühl, welches entsteht, wenn man einfach nur mit jemanden reden kann. Ich weiß noch bis heute, dass Marie mal auf einer Party zu mir meinte:

„Borsti, gewisse Dinge sind mir unerklärlich. Ich befürchte es sind die Dinge, die wirklich wichtig sind.“

Zurück blieben viele trauernde Menschen, die nicht begreifen konnten, warum. Sie sahen nur das ‚Wie’. Ich wollte nie pietätlos sein, aber die wenigsten Menschen wollten wirklich verstehen, was mit beiden los war.
Ich frage mich welchen Punkt man erreichen muss um Suizid zu begehen. Da müssen alle Alternativen ausgeschöpft sein, oder?
Seitdem bin ich noch wachsamer, was mein direktes Umfeld betrifft. Denn wenn ich ehrlich bin, denke ich manchmal noch an Peter und Marie.
Es ist so wichtig, dass einem bewusst ist, dass man immer aufgefangen werden wird, wenn der Boden unter den Füßen weg bricht. Wir als Freunde müssen immer die Augen offen halten. Damit wir uns irgendwann nicht vor Beerdigungen drücken müssen, weil wir es nicht ertragen können.

Freitag, 11. Mai 2007

Das Rendezvous mit dem Tod.

apos Schon eigenartig wie fehlerhaft manche Dinge wirken. Ich sehe den Radfahrer noch an mir vorbeifahren, bevor er hundert Meter weiter von einem Wohnmobil überfahren wird. Ich bin eigentlich auf dem Weg zum Magisterprüfungsamt. Unmittelbar davor liegt ein Kreisverkehr mit einem Zebrastreifen. Den Tod scheint das nicht zu interessieren. Eine Traube Menschen ist bereits dabei ihm zu helfen. Auch der Notarzt ist verständigt. Ich sehe sein verbeultes Fahrrad weiter weg liegen. Und ich sehe Blut, welches Blasen auf dem Asphalt schlägt. Wie in Trance gehe ich weiter.

Ich war der letzte Mensch, der diesen Radfahrer, diesen Menschen bewusst registriert hat. Er hat eine rote Ampel überfahren. Ich blieb stehen und er fuhr noch schnell. Hätte er dies nicht getan, wäre der Unfall wahrscheinlich niemals passiert.

Als ich das Magisterprüfungsamt verlasse, entschließe ich mich erneut an dem Kreisverkehr vorbei zu gehen. Ich sehe zwei Rettungswagen und zwei Polizeiautos. Und jede Menge Menschen. Ich trete näher. Nicht um zu gaffen, sondern um vorbeizugehen. Ich sehe am Rand einen Sanitäter, der vor dem Rettungswagen am Bordstein sitzt. Die Gummihandschuhe zwischen seinen Füßen sind blutverschmiert. Und er starrt ins Leere. Ich gehe an ihm vorbei. Hinter dem Auto liegt nun der tote Radfahrer, der genau in dem Moment zugedeckt wird, als mein Blick ihn streift. Der Mund halb offen. Die Augen geschlossen. Ein angeschwollener Kopf.

Ich habe bis dahin noch nie einen toten Menschen aus nächster Nähe gesehen. Und mir ist schlecht bei dem Gedanken, dass ich sein letzter Zeuge war. So schnell kann es gehen. Im Endeffekt wird einfach nur ein Tuch über dich gedeckt. Ein Tuch was dem Verschiedenen die Pietät zurückgibt. Eine klare Grenze aus Stoff zwischen Leben und Tod. Nicht das Leben, sondern der Tod wird beseitigt. Ironischerweise wird Leben mit dem Tod eingetauscht.
Wenn 50 Augenpaare auf einen toten Körper starren, dann ist das ein Moment der Klarheit. Alle fühlen dasselbe beschissene Gefühl. Sie starren aus Neugier. Sie starren auf ein weißes Tuch und den Arm der an der Seite noch sichtbar auf der Straße liegt. Und die immense Blutpfütze. Sie starren auf diese Grenze.

Sie können es nicht fassen. Der Radfahrer ist an seinen schweren Kopfverletzungen verstorben. Er trug keinen Helm. Die Ursache seines Todes ist zwar ersichtlich. Spielt für die Umstehenden keine Rolle. Sie sind neugierig. Sie sind neugierig auf den Tod.

Nur zwei Menschen am Ort sind nicht neugierig. Der Sanitäter der ins Nichts starrt. Und meine Wenigkeit, der die Ursache gesehen hat. Ich wünschte er wäre mit mir an der roten Ampel stehen geblieben.
An der nächsten Kreuzung blicke ich auf die Ampel. Ich bekomme Herzklopfen.

Donnerstag, 22. März 2007

Der Angriff als Flucht vor dem Kontrollverlust.

apos„Jetzt spiel dich mal nicht so auf.“, hat mich mein bester Freund letztens angebrüllt. Angetrunken. Unglücklicherweise war ich nicht angetrunken. Wo vorher noch ‚Lallen’ war, war nun eine deutlich aggressive Stimme zu hören. Mit dem Ausdruck eines Nüchternen und der Unberechenbarkeit eines Betrunkenen stand er vor mir, bereit seine komplette Waffenkammer zu benutzen.
Ich glaube, es war nur ein falsches Wort davon entfernt, und es hätte auch physisch gekracht. Ich hatte keine Angst vor ihm, da ich weiß, dass er zwar vielleicht zugeschlagen hätte, er aber durchaus in der Lage ist zu sehen, dass ich sein bester Freund bin. Und letztendlich hat er es auch nicht getan.
Ich weiß nicht was eigentlich schlimmer in dem Moment war. Seine Unfähigkeit mein Problem mit ihm nachzuvollziehen oder meine Unfähigkeit ein Problem mit den richtigen Worten anzusprechen. Auf jeden Fall ist das ein beschissener Cocktail. Wovor ich allerdings Angst hatte, war seine Wut. Sie kam mir so unberechenbar vor. Ich glaube da schlummert etwas in ihm, dass ich lieber nicht kennen lernen möchte. Ich hatte Angst vor der Art und Weise, wie er sich rechtfertigte. Denn dabei hat er meine Meinung und Kritik an ihm mit der Wucht eines Güterzuges, mit brachialer verbaler Zerstörungswut plätten wollen.
Traurigerweise wusste ich, dass seine Reaktion extrem ausfallen würde. Er war ja immerhin angetrunken.
Ich hatte auch Angst vor seinen Gesten und seiner Mimik, die mir totale Verachtung suggerierten. Nicht vor mir als Mensch, sondern vor mir als denjenigen, welcher sein Handeln in Frage stellt und die Art und Weise dafür nicht grade intelligent gewählt hat.

Aber was soll ich bitte machen wenn mich was ankotzt? Klar hätte ich einen besseren Zeitpunkt auswählen können, aber ich war in dem Moment nicht in der Lage dazu.
Ich frage mich manchmal, wieso Menschen so einen Abwehrmechanismus haben. Ich glaube, er fühlte sich angegriffen und verletzt, anders kann ich mir diese Reaktion nicht erklären. Vielleicht sollte ich es auch sein lassen, mit jemand Prinzipien zu diskutieren, wenn beide nicht nüchtern/angetrunken sind. Was mein bester Freund nicht weiß ist, dass ich, obwohl wir uns wieder vertragen und ausgesprochen haben, ziemlich verletzt bin. Das wird unserer Freundschaft auf keinen Fall belasten, denn ich glaube bei ihm an das Prinzip namens ‚Ich hab es nicht so gemeint’. Allerdings hat mir der Augenblick klar gemacht, dass es niemals einfach sein wird ihn zu kritisieren. Er glaubt er könne mit konstruktiver Kritik umgehen. Ich glaube das nicht. Aber ich weiß, dass dies seine Gründe hat. Im Gegensatz dazu ist mir mehr als bewusst, dass auch ich Ecken und Kanten habe, die so manch einer eventuell nicht nachvollziehen kann.

Flight
Tja. Worum ging es eigentlich in diesem Streit? Er hatte getrunken. Ich nicht. Ich sagte ihm, dass er auch mal aufhören könne mit dem Trinken, da ich der Meinung bin, dass er nie ein Ende findet. In seinen Ohren klang das wie: ‚Du bist Alkoholiker, du hast ein Problem, dass du nicht kontrollieren kannst’. Das meinte ich aber nicht. Ich weiß, dass er kein Alkoholiker ist. Er trinkt ja nicht regelmäßig. Und er verträgt wesentlich mehr als ich. Aber ich höre auf, wenn ich betrunken bin. Er nicht. Es endet meistens in einem totalen Exzess, wenn er denn trinkt. An diesem Abend hatte ich das Gefühl, dass es wieder so laufen würde. Alle waren nüchtern bzw. hatten ein Bier vor sich stehen, wir schauten Film. Mein bester Freund stieß später betrunken zur Runde dazu, weil er zuvor bei einem Fußballspiel war. Und er hat weiter getrunken, die meiste Zeit des Filmes nur gequatscht, was ich hasse wie die Pest wenn ich Film schaue. Er war halt super gelaunt, auch nicht aggressiv. Das ist er nie. Aber er kann eben halt nur so richtig abschalten, sagt er. Und dann hab ich ihn halt darauf angesprochen, woraufhin wir vor Tür gingen und es (beinahe) eskalierte.

Danach wurden mir zwei Dinge klar. Ich verstehe, dass er, der immer diszipliniert sein Leben unter Kontrolle hat, immer Erfolg im Studium hat (und darauf kann er verdammt stolz sein), den Kontrollverlust braucht und sucht. Der Mensch braucht den Kontrollverlust um Dinge bewältigen zu können. Ist es legitim, dass man dann versucht Menschen dies streitig zu machen? Er weiß, dass es nicht gut ist Kontrolle auf diese Weise zu verlieren. Der Grund warum er so ausgerastet ist, ist vermutlich der – und das trifft wohl auf die Mehrheit der Menschen zu – das er dabei ertappt wurde, seine Kontrolle zu verlieren. Mehr noch, allein die Unterstellung, er hätte etwas in seinem Leben nicht im Griff hat ihn sprichwörtlich zu einem Ausbruch geführt, den ich erlebt habe. Er ist jemand, der sein Leben unter Kontrolle halten muss. Er ist jemand, der Kontrolle auch als solche ansieht, wenn es um zwischenmenschliche Angelegenheiten geht. Und wenn er dafür sein Kriegsgesicht aufsetzen muss, dann wird er es ohne Skrupel tun, ganz egal, wen er dabei platt macht.
Warum dieser Kontrollwahn? Warum dieses Bedürfnis bloß nicht mit einem Problem behangen zu sein, dass andere kritisieren könnten? Das wäre wahrscheinlich eine Veränderung im Leben, an der man nichts mehr ändern könnte. Und wir Menschen brauchen Kontrolle. Leider.

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Er fand einen Kompromiss. Er sagte, er würde es nicht sein lassen, dafür wird er es in meiner Gegenwart nicht mehr tun. Damit fühle ich mich schon irgendwie angegriffen. Auf der einen Seite, ist es ihm entweder egal, was andere denken (obwohl der Ausbruch klar dagegen spricht), auf der anderen Seite will er mir damit irgendwas zeigen. Will er mir damit zeigen, dass er sicher ist, kein Problem zu haben. Braucht er den Status, sich durchzusetzen, obwohl er sich gar nicht durchsetzen muss? Mir Recht geben um mir das Gefühl zu geben er würde darüber stehen? Oder braucht er einfach diese Entspannung? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ich fühle mich schlecht deswegen. Ich wollte ihn gar nicht angreifen, ich wollte ihm nur sagen, dass mich was stört. Das ging nach hinten los, was definitiv an uns Beiden lag.

Nachdem wir uns wieder vertragen hatten, hätte ich ihn am liebsten dafür kritisiert, dass er nicht in der Lage ist, Kritik an seiner Persönlichkeit zu vertragen und anzunehmen. Aber auf noch so einen Streit hatte ich keine Lust. und wenn ich ehrlich bin, dann ist es auch nicht in Ordnung von mir Menschen kritisieren zu wollen, nur weil mir was nicht passt und eigentlich nicht wirklich mein eigenes Problem ist. Dafür sind wir ja alle irgendwie gestört. Auch ich. Vor allem ich.
Aber eins ist klar. Angst hat in einer Freundschaft an sich nichts zu suchen. Zumindest, wenn dein Gegenüber den Kontrollverlust aktiv ausübt, ihn dennoch bestreitet und verteufelt.
Aber darüber habe ich eh keine Kontrolle, oder?

Dienstag, 20. März 2007

Das eigene Päckchen.

aposSchlaflos. Also habe ich die Waffenkammer in meinem Gehirn ein bisschen aufgeräumt, nachgedacht und bin fündig geworden. Und da ich grad beim Stöbern nach Musik über die gute alte Parachute-Platte von Coldplay gestolpert bin, hab ich sogar eine passende Musikkulisse für das Fotografieren des Inneren meines Kopfes gefunden.

Manchmal hat man einen schwachen Moment in seinem Leben. In diesem Moment brauchen manche Menschen Hilfe, weil ihre Schultern nicht breit genug sind um emotionale und zwischenmenschliche Belastung zu halten. Die unbewusste Angst unter einem Problem zusammen zu brechen, dass sich ausschließlich um einen selbst dreht, wird wohl niemand ohne Hilfe enttarnen können. Manchmal sind Erkenntnisse über einen selbst nicht so toll, wie man sie gerne hätte. Und die Frage ist, was tut man, wenn man betroffen davon ist? Oder man Zeuge ist, wie jemand Feuer in seiner geistigen Waffenkammer legt?! Für Menschen, die man liebt, würde man alles tun. Man könnte das Feuer versuchen zu ersticken. Man könnte einem zitternden hilflosen Menschen nach dem Feuerlöschen die Streichhölzer wegnehmen. Und was ganz wichtig ist......


.... anstatt ihn nicht zu verstehen - was aber mit Sicherheit auch vorkommen kann/wird - nimmt man ihn in den Arm...!

Man wird ihm beim Tragen des Päckchens versuchen zu helfen. Das Päckchen, dass jeder mit sich herumspazieren führt. Manche tun es hinter einer Fassade, weil sie zu stolz sind oder unfähig. Andere, weil sie die Kraft dafür immer aufbringen können. Oder aber weil man zu schwach ist und sich nicht zu helfen weiß, außer das Päckchen in ein dunkles Zimmer zu sperren und weg zu schließen. In der Hoffnung, dass es niemals frei kommt.
Aber genau wie unsere Psyche bei zu hoher innerlicher Belastung morsch wird, so wird auch das Schloss morsch. Und was dann aus dem dunklen Zimmer kriecht ist viel zu schwer geworden um es auf seinen Schultern tragen zu können!?

Was wenn es in einem brodelt? Was wenn man Feuer in sich gelegt hat? Und was, wenn man Hilfe braucht, und niemand dir helfen kann, weil niemand dazu in der Lage ist oder es gar will? Oder einfach zu viele Feuer überall lodern? Ich glaube in jedem Kopf steckt eine verwirrte hilflose Person, die zitternd mit einer Streichholzschachtel spielt. Aber manchmal kommt einem die Erkenntnis, dass man, bevor man selber zusammenbricht und wen/was braucht, sich mal umschaut. Vielleicht ist man ehrlich zu selber und erkennt, dass man eigentlich trotz aller Probleme gar keine Unterstützung braucht. Auch wenn die Knie schon unter der Last auf den Schultern bibbern. Das es einfach wichtig ist, es auch mal alleine zu riskieren und zu versuchen. Vielleicht wird einem dann ja bewusst, dass man sich über die Prioritäten in seinem Leben klar werden muss. Das es schon die halbe Miete sein kann, dass man in der Lage ist ZU VERSUCHEN sein Päckchen zu tragen.

Und um zu erkennen, dass vielleicht alles nur halb so wild ist, wenn man sich mal reinzieht und bedenkt, womit andere fertig werden müssen. Vielleicht tut man dann erstmal was, bevor man jammert. Das könnte eine wichtige Erkenntnis für einen selbst werden. Vielleicht nur eine kleine. Aber dafür eine sehr wichtige!

Montag, 12. März 2007

Auf der ewigen Suche.

aposLeben unter falschen Namen? Leben ohne Identität? Menschen, die immer auf der Suche sind – egal wonach?
Ich kenne mindestens einen von dieser Spezies. Sein Name ist ‚X’. Ich kenne ihn seit knapp mehr als fünf Monaten. Mittlerweile sind wir ziemlich gute Freunde geworden. Er ist einer der Wenigen, mit denen ich mich zu 100% verstehe, er ist jemand, dessen Humor ich unheimlich mag und er ist jemand mit dem ich irgendwie Insider-Wissen habe. Das ist sehr wichtig für mich.

‚X’ hat alle persönlichen Vorraussetzungen ein glücklicher Mensch zu sein. Aber er ist es nicht. Er weiß das. Und ich glaube, er weiß, dass ich es weiß. Und kein anderer weiß es. Zumindest vermute ich das. Mir ist das aufgefallen, dass immer wenn sich ein Dialog zwischen uns auf persönlicher Ebene zu bewegen versucht, er gnadenlos zu macht. Er lenkt eigenartig vom Thema ab. Und ich glaube, ihm fällt das gar nicht so auf.
Ich habe so das Gefühl, dass er seine emotionalen Koffer gar nicht auspacken möchte. Er hat natürlich keine Probleme mit sich. Er hat wohl einfach nur kein Zuhause. Nie gehabt womöglich. Aber das kann und sollte ich nicht beurteilen.
Mittlerweile ist meine Freundschaft zu ihm gefestigt. Aber ich glaube, dass ich ihn am wenigsten von meinen Freunden kenne. Und ich versuche in der Regel alle meine Freunde gründlich kennen zu lernen. ‚X’ hat mir schon so einiges aus seiner Vergangenheit erzählt. Meistens hatte ich das Gefühl, als würde ich einen Artikel lesen, während er sprach. Er distanzierte sich von vielem. Sein äußeres sagte mir was anderes, als sich innerlich bei ihm vermutlich abgespielt hat. Oder doch andersrum? Er hielt sich so auf Distanz, womit er mich ebenfalls auf Distanz hielt.
Vor ungefähr fünf Wochen waren wir auf einer Party. Wir waren so angetrunken, dass wir in ein enorm persönliches Gespräch gerutscht sind. Das war das Moment, indem ich merkte, dass er 100% echt war. Es war auch die letzte Situation, in der ich ihn so erlebte. Wenn ich es so recht betrachte ist Leben ja eh nichts weiter als eine Aneinanderreihung von Augenblicken.
Es war ein Augenblick, in dem der ganze Lack von seiner Fassade gebröckelt ist. Ich mag seine Fassade, auch wenn mir bewusst ist, dass diese nicht ganz echt ist. Was unter der Fassade steckte, war mir jedoch auch mehr als sympathisch. Seitdem ist ‚X’ wieder wie vor diesem Augenblick.
Was sagt man zu jemanden der sein Leben lang im Koma liegt, dann für zehn Minuten aufwacht um anschließend wieder ins Koma zu fallen? Was sagt man da? Jemand, dessen Fassade wieder neu lackiert wird? Jemand, für den eine Neulackierung völlig in Ordnung ist, der regelrecht darum bittet?
finger

Als ich ‚X’ fragte, wonach er eigentlich suche bzw. worauf er warten würde, antwortete er mir nur, dass er es auch nicht wisse. Nach dieser Antwort war klar, dass der Lack wieder drauf war. Gibt es Menschen, die sich selbst am wenigsten kennen? Gibt es Menschen, die unter vielen anderen „Bekannten“ doch sehr einsam sind? Irgendwie schon. ‚X’ ist jemand, der weiterziehen würde, wenn es was besseres geben würde, geographisch wie zwischenmenschlich. Zumindest würde er mit dem Gedanken daran spielen. Und ich wäre nicht mal böse auf ihn. Ich glaube, Menschen wie ‚X’ darf man nicht aufhalten. Und es ist ein Trugschluss, dass Menschen wie er Egoisten sind. Denn ihr ‚Gehen’ hinterlässt viele Scherbenhaufen. Sie kümmern sich dann nicht drum, aber das tun sie nur deswegen nicht, weil sie ihren eigenen Scherbenhaufen noch nicht weggekehrt haben. Man kann solchen Menschen so gut wie keine Sicherheit geben. Sie mögen zwar temporär zufrieden sein, aber sie könnten auch alles stehen und liegen lassen. Es ist traurig, dass keiner Notiz davon nimmt. Sie sind nicht allzu selten leere Uniformen. Das unsichtbare Schwarz-Weiß in der farbigen Realität. Dabei ist es eigentlich genau andersrum (Farbe in einer schwarz-weißen Realität).



Sie sind ziemlich kreativ und ziemlich verträumt. Und das beeindruckt. Das wissen sie jedoch auch. Und ich glaube auch, dass ‚X’ das weiß. Ob er sich verstellt? Ich weiß nicht. Vor mir nicht, denke ich. Aber vor vielen anderen. Und kritisch wird es wenn man ihn zwingen will, Zeltschnüre zu spannen. Ich vermute mal, dass solche Menschen sehr einzigartig wirken. Und sobald man ihnen das Gefühl gibt sie sehr interessant zu finden, so dass sie sich deiner Aufmerksamkeit gewiss sein können, schon verlieren sie das Interesse. Und das kann ich verstehen. wenn man unter einem Deckmantel seiner falschen Identität versucht ein echtes Leben zu führen. Wie kann ich jemanden an mich heran lassen, der denkt ich sei echt? Dabei bin ich das gar nicht. Das würde nicht funktionieren. Denn auch diese Menschen wollen verstanden werden. Wollen ein Zuhause. Das einzige Merkmal, dass sie haben: einen Namen. Ein Name mit dem man nichts in Verbindung bringen könnte, würde man die Wahrheit kennen. Ein Leben ohne Identität. Ohne Vergangenheit, die sich auf Ehrlichkeit und Wahrheit aufgebaut hat.
Sie sind bisher zurecht gekommen und hatten so einige Male das Gefühl richtig platziert zu sein. Aber das hat sich im Nachhinein auch nur als leere Verpackung entpuppt.
Ich werde wohl nichts unversucht lassen ‚X’ aus der Reserve zu locken. Aber glücklich werden muss er alleine. Solange bin ich eben einer dieser Gefühle in seinem Kopf, die ihm ab und an suggerieren er sei glücklich. Und das ist okay. Denn er ist dann auch zufrieden. Und ich bin es auch. Denn wenn er Stress hätte – zwischenmenschlich – dann könnte er sich auch auf mich verlassen. Ob es andersrum auch so wäre, kann ich nicht einschätzen. Selbst wenn nicht, würde ich ihm nie einen Vorwurf deswegen machen. Das Leben ist nun mal so. Und wie ich bereits sagte, ‚X’ ist mittlerweile ein guter Freund. Und vielleicht helfen ihm richtige Freundschaften seinen weg zu seiner eigenen Identität zu finden. Bis es soweit ist werden wir trotzdem eine coole Zeit miteinander verbringen. Und nebenbei kann ich ihm ja helfen zu suchen – egal wonach.

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Zuletzt aktualisiert: 4. Jul, 08:11

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du kranker
jens (Gast) - 16. Feb, 14:12
diesen film...
... hatte ich mir vor einiger zeit absolut unvoreingenommen,...
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Warum gehen einige zu...
Warum gehen einige zu wordpress?
bateman - 16. Dez, 21:16
understood
la maman hat verstanden. du bist erlöst. may the...
magali (Gast) - 31. Okt, 09:43